Wieder gehen! Eine Informations-Initiative zum Thema Fußheberschwäche

Patienten erzählen


Mit einem Mal ist alles anders! Was gestern noch selbstverständlich war, wird plötzlich zur Alltagshürde. Was Betroffene erlebt haben, wie sie mit ihrer Versorgung zufrieden sind und welche Erfahrungen sie mit eingeschränkter Mobilität im Leben gemacht haben – darüber berichten sie uns hier.

Theo  –  neue Gipfel erklimmen

Neben seiner Familie und seinem beruflichen Erfolg als Broker war Sport immer ein wichtiger Bestandteil der Lebensphilosophie von Theo.

Im März 2006 sollte sich für den damals 56-jährigen Niederländer alles ändern – aber nicht für immer. Zahlreiche Dauerläufe, 27 Halb-Marathons und ein Staffellauf von Rotterdam nach Paris prägten das sportliche Engagement von Theo.

Der Schlaganfall war für den Sportler ein gravierender Einschnitt in seinem aktiven Leben. Aufgrund der rechtsseitigen Lähmung war er zunächst auf einen Rollstuhl angewiesen. Physiotherapie und konsequente Aufbautrainings unterstützen ihn bei der Genesung. Im Hinblick auf seine Fußheberschwäche blieb die Behandlung allerdings erfolglos. Da sich der Niederländer mit dieser Diagnose nicht zufriedengeben konnte, suchte er Rat bei seinem Physiotherapeuten. Als Mitglied des ActiGait Forschungsteams der Radboud Universität Nijmegen machte er Theo erstmals auf die Alternativen der Neurostimulation aufmerksam.

Um nichts unversucht zu lassen, entschied er sich als einer der ersten Patienten in Europa für diese alternative Behandlungsmethode. Der Entschluss sollte sein gesamtes Leben verändern. Seinem größten Wunsch, wieder in den Bergen Österreichs zu wandern und neue Gipfel zu erklimmen, kam er nun Tag für Tag einen Schritt näher. Im April dieses Jahres setzte der mittlerweile 62-Jährige seinen Traum in die Tat um. Begleitet von seiner Frau erreichte er die 1.800-Meter-Marke der Tiroler Berge bei Schwattwald-Zöblen im Tannheimertal. Vom Gipfel trennte ihn lediglich eine Schlechtwetterfront, nicht etwa die Fußheberschwäche.

Damit setzt er nicht nur für sich ein Zeichen. Sein Ziel ist es, andere Betroffene zu motivieren einen Schritt nach vorn zu gehen.

 

Marleen, 24 – Gekämpft für ein Stück neuer Freiheit

Marleen, 24 – Gekämpft für ein Stück neuer Freiheit

Weihnachten 2009 fuhr ich gemeinsam mit meiner Mutter in das nahegelegene Klinikum, weil ich extreme Kopfschmerzen hatte. Die Ärzte empfahlen, eine Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus zu verbringen. Alles ging sehr schnell. Kurze Zeit später lag ich im künstlichen Koma, eine Notoperation am Gehirn war erforderlich, die Ärzte hatten einen Hirnschlag festgestellt.

Als ich Wochen später erwachte, wusste ich nicht, was passiert war. Meine rechte Körperhälfte war gelähmt, ich konnte weder reden noch etwas spüren. Ich saß im Rollstuhl. Eine intensive therapeutische Behandlung war erforderlich, um die betroffenen Hirnfunktionen zurückzuerlangen. Nach einem Krankenhausaufenthalt von mehreren Wochen wurde ich sechs Monate lang in einer Reha-Klinik versorgt. Dort bekam ich die ersten Informationen über das Neuroimplantat ActiGait von Ottobock, das eine Fußheberschwäche ausgleichen kann.

Ich meldete mich zu einem Screening im Klinikum Göttingen an, bei dem sich dann herausstellte, dass ich tatsächlich zu den Patienten gehöre, denen ein Neuroimplantat helfen kann.

Die Entscheidung stand schnell fest: Im November 2011 wurde ich operiert und das Implantat in den Oberschenkel eingesetzt. Drei Wochen später wurde es aktiviert. Es war sehr ergreifend, als ich wieder mit der Ferse zuerst auftreten konnte und nicht mit dem Vorfuß hängen blieb.

Immer wieder habe ich mich gefragt, warum mir das passiert ist. Es war und es ist nicht immer leicht, mit der Situation umzugehen, vor allem, weil sich mehrere Personen aus meinem Umfeld zurückzogen. Doch meine Familie und enge Freunde sind eine große Stütze und durch ActiGait steigerte sich meine Lebensqualität enorm. Heute kann ich ohne Gehstock und stabilisierende Schiene am Bein spazieren gehen. All das ermutigt mich, und gemeinsam mit Ärzten und Therapeuten werde ich weiterkämpfen.

Peter – Aufgeben kam nie infrage

Peter – Aufgeben kam nie infrage

Peter erzählt, warum er trotz eines Schlaganfalls den Lebensmut nicht verloren hat und mithilfe einer neuen Therapie wieder aktiv ist

Karl – wieder mobil im Leben

Interview Karl Papp

Der junggebliebene Rentner Karl P. berichtet über die Situation nach dem Schlaganfall, über Rehabilitation, Therapie und seinen Weg zurück ins Leben.

Schlaganfall mit 14! Kathrin berichtet

Immer häufiger sind auch Kinder von einem Schlaganfall betroffen. Kathrin musste vor vielen Jahren diese Erfahrung mit 14 Jahren machen. Wie sie den Schlaganfall erlebt hat und seitdem mit ihren Einschränkungen umgeht, hat sie uns erzählt. Seit Juli 2011 nutzt sie das Neuroimplantat ActiGait.

Der 29. Januar 2000 hatte eigentlich als ganz normaler Tag begonnen. Auf dem Weg zum Fußballtraining hatte ich Kopfschmerzen, dabei habe ich mir nichts weiter gedacht.

Kopfschmerzen hat man eben hin und wieder. Doch nach einer Weile wurde mir plötzlich schlecht, ich spürte ein merkwürdiges Kribbeln in meiner linken Kopfhälfte. Mein Trainer merkte sofort, dass mit mir etwas nicht stimmte, und rief den Notarzt. Der brachte mich ins Klinikum nach Göttingen, wo ich die unglaubliche Diagnose erhielt: Schlaganfall. Meine Halsschlagader war gerissen. Für meine Familie und mich begann nun eine denkbar schwere Zeit.

In insgesamt drei Operationen wurden zwei Drittel meiner rechten Gehirnhälfte entfernt, da das Gewebe durch den Schlaganfall abgestorben war. Nach der zweiten OP lag ich 18 Tage lang im Koma. Meine Eltern lebten zu dieser Zeit praktisch im Klinikum.

Im März 2000 konnte ich endlich das Krankenhaus verlassen. Danach war ich über ein Jahr in der Reha. Vieles, was früher selbstverständlich war, musste ich mühsam wieder erlernen. Trotz intensiver Reha bekam ich vor etwa einem Jahr plötzlich Probleme beim Gehen. Mein Bein zitterte, ich konnte den linken Fuß nicht mehr richtig anheben. Bei jeder Unebenheit hatte ich Angst zu stolpern. Nach dem Schlaganfall hatte ich mich ausführlich mit verschiedenen Behandlungsmethoden beschäftigt, unter anderem mit einem Neuroimplantat, das bei Fußheberschwäche zum Einsatz kommt.

Ich nahm Kontakt zu Prof. Liebetanz auf, der am Uniklinikum Göttingen für die Versorgung mit dem Neuroimplantat zuständig ist. In verschiedenen Tests wurde festgestellt, dass ich für die Implantation infrage komme, und im Juli 2011 fand der Eingriff statt. Seitdem hat sich meine Gehfähigkeit sichtbar verbessert. Ich fühle mich sicherer, weil ich nicht mehr ständig Angst haben muss, zu stolpern und zu fallen. Es war mir immer wichtig, selbstständig zu leben und ich bin stolz, dass ich das nun wieder kann.

Kerstin – alltägliche Herausforderungen bewältigen

Allein in Deutschland erleiden jährlich rund 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Dass diese Erkrankung nicht nur ältere Menschen trifft, hat Kerstin (48) am eigenen Leib erfahren. Warnsignale gab es. „Ich habe die Symptome aber nicht als Zeichen einer ernsten Erkrankung erkannt – mit 42 Jahren rechnet man nicht mit einem Schlaganfall“, sagt Kerstin heute.

 

Der 15. Oktober 2005 hatte als ganz normaler Tag begonnen. Kerstin stand morgens in der Küche, als sie plötzlich ein Kribbeln in den Beinen spürte. Das Gefühl verstärkte sich, erfasste den Oberkörper und das Gesicht. Sie erinnert sich, wie sie langsam am Küchenschrank nach unten rutschte und auf die linke Seite kippte. „Ich dachte, dass es schon nichts Schlimmes sein wird. Ich konnte klar denken, atmen und meine Tochter und meinen Mann anrufen.“

Ihr Mann brachte sie umgehend ins Krankenhaus, die Diagnose: Schlaganfall. Ihre linke Körperhälfte war vollständig gelähmt. „Alles hatte seinen Sinn verloren“, beschreibt Kerstin ihre Gefühle. Doch ihre Familie machte ihr Mut. Noch im Krankenhaus begannen Therapien, 14 Wochen Reha folgten.

Nach ihrer Rückkehr fiel es der jungen Frau nicht leicht, an ihr vorheriges Leben anzuknüpfen. Dank Krankengymnastik und Ergotherapie verbesserte sich zwar ihre allgemeine Beweglichkeit – ihren linken Fuß konnte sie aber nach wie vor nicht ausreichend anheben. Die Angst zu stolpern und zu fallen wurde zu einem ständigen Begleiter. Ihre frühere Beschäftigung in einer Bäckerei musste Kerstin aufgeben.

Durch einen Bericht im Fernsehen wurde sie schließlich auf das Neuroimplantat ActiGait aufmerksam. Kerstin nahm Kontakt zum Uniklinikum Göttingen und dem dort zuständigen Arzt Prof. Dr. Liebetanz auf. Ein Eignungstest verlief positiv, der Eingriff erfolgte im Oktober 2009. Seitdem hat sich Kerstins Gehfähigkeit erheblich verbessert. In ihrer Freizeit geht sie schwimmen und macht Spaziergänge mit ihrem Hund. Mittlerweile arbeitet sie auch wieder halbtags in ihrem früheren Beruf.